Meine erste Solo-Reise: Bali, Dezember 2019

Posted by Accessibleindonesia Aug 12, 2020 7 min read
somya14

​Hallo, alle miteinander. Ich möchte mich zunächst einmal vorstellen. Ich bin Dr. Somya Agrawal und arbeite als Assistenzprofessorin in der Abteilung für Informationsmanagement an einer taiwanesischen Universität. Ich wurde mit Spina bifida geboren. Ich benutze eine Beinstütze für mein linkes Bein und Armstützen zum Laufen. Für weitere Strecken benutze ich lieber einen Rollstuhl. Ich bin sehr leidenschaftlich im Leben und glaube an das Sprichwort: “Das Leben ist das, was du daraus machst.” Ich lebe jeden Tag als wäre es mein letzter und versuche, auch aus einfachen Momenten Erinnerungen zu machen. Hier ist ein Foto von mir im Zoo von Bali.

somya1

Ich wollte schon immer eines Tages eine Solo-Reise machen. Das war immer ganz oben auf meiner Wunschliste. Als neugierige Person liebe ich es zu reisen, neue Orte zu besuchen, mit Einheimischen zu quatschen, neue Wörter ihrer Sprache zu lernen, lokale Küche zu essen, etwas über die Geschichte zu lernen und mich mit der schönen Kultur zu verbinden, die jeder Ort hat. Aber ich bin eine körperlich behinderte Person und es fühlte sich immer wie ein unmöglicher Traum an, alleine zu reisen. Ich war es gewohnt, mit meiner Familie und engen Freunden zu reisen, weil ich dachte, ich könnte und sollte das nicht ohne sie tuen, nur für den Fall, dass etwas schief geht. Ich hatte immer das Gefühl, ich darf nicht alleine sein. Aber ich habe mit diesem Mythos nach meiner Bali-Reise gebrochen. Wenn ich zurückblicke, glaube ich manchmal selber nicht, dass ich diese Reise tatsächlich unternommen habe. Heute möchte ich einige meiner Erinnerungen aus Bali teilen, obwohl ich das Gefühl habe, dass mein Schreiben nicht vollständig rechtfertigen kann, wie glücklich ich mich während der Reise gefühlt habe.

Alles begann damit, dass ich auf Google nach einer 5-tägigen Tour in Bali suchte, und die Website von Accessible Indonesia auftauchte.

Ich sah Bilder von Bali auf der Website dachte mir:
“Wie wäre es, wenn ich es versuchen würde?”,
“Wie wäre es, wenn ich ihnen schreibe?”

Ich füllte das Anfrageformular aus und fragte nach “5 Tage Reise in Bali” und lernte so Maureen und das Team von Accessible Indonesia kennen. Sie halfen mir, meine gesamte Reise von Anfang bis Ende zu planen. Ich sah die ganze Reise Schritt für Schritt vor mir entstehen. Ich hatte rechtzeitig angefangen zu planen, da ich mich um verschiedene Dinge kümmern musste. Das AccessibleIndonesia-Team beantwortete geduldig meine Millionen Fragen und machte alles für mich machbar. Als ich meine Flugtickets buchen wollte, brachte ich meinen Eltern die Nachricht von meiner Alleinreise bei, nach ungefähr 2 Monaten Planung. Ich wollte zuerst sicherstellen, dass es wirklich passiert, und keinem die Chance geben, meine glückliche Blase platzen zu lassen. Haha. Meine Eltern glaubten mir zuerst nicht, unterstützten mich aber schließlich.

21 Dezember: Ankunft in Bali

Jetzt lasst uns direkt zu dem Tag springen, an dem ich nach Bali geflogen bin. Es waren 5 ½ Stunden Flugzeit von Taipeh, Taiwan nach Denpansar, Bali. Ich war etwas nervös und sehr aufgeregt, da ich zum ersten Mal alleine war und am Ende der Flugreise in einem völlig fremden Land landen würde. In einer E-Mail wurde mir mitgeteilt, dass Maureen mich zusammen mit dem Reiseleiter namens Augustin vom Flughafen in Denpansar abholen würde. Als ich dort ankam, sah ich sie mit einem Schild auf mich warten. Hahaha. Ich kann das Gefühl nicht beschreiben. Ich war so glücklich. Beide begrüßten mich mit ihrem warmen Lächeln, das die Hälfte meiner Angst reduzierte. Wir unterhielten uns so, als wäre es nicht unser erstes Treffen. Sie brachten mich zu einem rollstuhlfreundlichen Auto, wo ich den Fahrer traf, der mich während der gesamten Reise fahren würde. Es war ein sehr komfortabler Kleinbus. In dem Moment, als ich im Auto saß, begann Mas Augustin (Mas bedeutet Bruder in Bahasa Indonesia), mir Bali vorzustellen. Es war Samstagnachmittag. Wir fuhren zum Hotel Gardenia in Sanur, dem Gästehaus, in dem ich die nächsten Tage wohnte. Das Gästehaus war sehr bequem und sehr rollstuhlgerecht. Es war nun 17 Uhr Nachmittags und Dayu vom Hotelpersonal begrüßte mich mit einem kühlen und köstlichen Wassermelonengetränk in meinem Zimmer. Danach hatte ich den Abend frei für mich. Nun erst began es anzufangen zu sinken: “Wow, ich bin wirklich auf Solo-Reise in Bali!”

Ich bat Dayu vom Hotel Gardenia um Kaffee und einen Snack. Sie sagte mir, ich solle Bali Kaffee trinken. Ich bestellte dies zusammen mit ein paar Frühlingsrollen. Ich wusste  zunächst nicht, dass man am Besten keine Milch in den Bali Kaffee tut. Also bat ich sie, mir Milch zu bringen. Jetzt lache ich darüber, wenn ich an diesen Moment denke. Danach fuhr ich mit meinem Elektrorollstuhl an den Strand von Sanur. Ich bin normalerweise kein Strandmensch, da keiner der Strände, zu denen ich zuvor gereist war, für Rollstuhlfahrer zugänglich war. Aber ich mag Sonnenuntergänge sehr, deshalb wollte ich zumindest meinen ersten Sonnenuntergang auf Bali am Strand einfangen. Sehen Sie das Foto hier unten:

Dann ging ich in ein nahe gelegenes Restaurant am Strand und bestellte ein Bier und bekam extra Erdnüsse dazu. Die Stimmung war sehr lebhaft. Einige Leute tanzten, andere sangen und die Musik war sehr fröhlich. Ab dem nächsten Morgen begann meine Reise durch Bali.

Tag 1: 22 Dezember

Der erste Ort, den ich besuchte, war der Sangeh Muskatbaum Affenwald. Wir trafen einige Leute in traditioneller balinesischer Kleidung die hinduistische Gebetsrituale durchführten. Es fühlte sich wie eine glückverheißende Zeremonie an. Mas Agus erzählte mir von „Canang“, den Blumenopfern in den Tempeln. Da es sich um einen Affenwald handelte, wanderten hier natürliche viele Affen herum. Sie schienen gewitzt zu sein und mir wurde gesagt, der Trick, um sich vor den Affen zu schützen, bestehe darin, direkten Augenkontakt zu vermeiden. Die Affen waren aber sehr lieb. Wir trafen auch ein frisch verheiratetes Paar mit toller Kleidung, das sein Hochzeitsfoto-Shooting mit den Affen machte. Nachdem ich den Wald gesehen hatte, bekam ich Hunger und wollte einheimische Küche probieren, also hielten wir an einem Ort, um Kokosnussmilch zu trinken – sehr süß.

 

somya3

Danach besuchten wir den Ulun Danu Beratan Tempel in den Bergen. Es war ziemlich voll, aber die Stimmung fühlte sich sehr spirituell an. Jeder Tempel auf Bali ist von einem starken Flair von Hinduismus umgeben. Ich habe es genossen, die vielen Geschichten von Mas Agus zu hören.

somya4

Danach besuchten wir den Zwillingsseen Aussichtspunkt. Ich liebe die Natur wirklich und war beeindruckt, als ich dort ankam. Die Fahrt zum Aussichtspunkt war nicht sehr einfach, da es angefangen hatte zu regnen. Aber der Fahrer war sehr nett und wollte wirklich nicht, dass ich es verpasse. Die Aussicht war so schön. Ich werde ein paar der wundervollen Fotos hier einbauen. Maureen gab mir auch einige rote Beeren von den Bäumen zu probieren.

somya5
somya6

Dieser Tag endete mit traditionellem indonesischen Essen, „Gado Gado“, das sich als meine Lieblingsspeise der indonesischen Küche herausstellten sollte.

somya7

Tag 2: 23 Dezember: Am nächsten Tag erlebte ich den ‘Farmerswalk’. Es war der denkwürdigste Tag! Ich lernte Suar und Subita und deren Familie kennen. Sie brachten uns zu ihrem schönen Zuhause und wir plauderten stundenlang miteinander. Der Weg zum Haus war für Rollstuhlfahrer nicht sehr geeignet, aber ich nahm die holprige Straße in Kauf. Wenn ich zurückblicke, denke ich mir: „Schwierige Straßen führen zu schönen Zielen.“ Unterwegs konnte ich auch das Wasser direkt aus den Bergen an einer Quelle probieren. Es war kristallklar und der Bach sah wunderschön aus.

somya8

Danach besuchten wir den Fledermaus Tempel und den traditionellen Salzabbau am Kusumbastrand. Der Fledermaus Tempel war auch so ein sehr schöner Tempel und besonders interessant wegen der Höhle mit vielen vielen Fledermäusen. Ich habe später erfahren, dass er einer der sechs heiligsten Kultstätten auf Bali ist. Ich habe ein paar Fotos zusammen mit den einheimischen Kindern gemacht. Danach fuhren wir zum nahegelegenen Kusumba-Salzabbau. Mas Agus erklärte den Prozess, wie Balinesen Salz aus Meerwasser herstellten.

somya9

Tag 3: 24 Dezember. Am nächsten Tag machten wir uns am Morgen auf den Weg zum Tirta Empul Tempel. Der Tempel war wieder sehr schön. Das Tempelgelände bestand aus einer Badestruktur mit heiligem Quellwasser. Viele Menschen führten hier rituelle Reinigungen durch. Ich hatte gehört, dass der Tempelteich von einer Quelle gespeist wird, was balinesische Hindus als Weihwasser betrachten. Ich wollte unbedingt auch ins Wasser gehen. Aber es war für mich nicht zugänglich, deshalb betete ich nur für das wahre Glück und die Gesundheit aller um mich herum.

somya10

Danach ging es zu einer interessanten Teestube, wo ich verschiedene Teesorten probierte, sehr amüsant, insbesondere die Geschichte über den Luwak-Kaffee. Die Tour dieses Tages war noch nicht vorbei. Denn nun haben wir den Aussichtpunkt auf den berühmten Batur Vulkan besucht. Er gilt als der beliebteste Bali-Vulkan. Der letzte größere Ausbruch war 1963. Ich war fasziniert und wie gebannt, da ich nie gedacht hatte, einmal einen aktiven Vulkan zu sehen. Nach dieser langen Tour fuhren wir zurück ins Gästehaus und ich ruhte mich aus.

somya11

Tag 4: 25 Dezember. Der nächste Tag war mein letzter in Bali. Und es war mein Lieblingstag, wenn ich einen Tag auswählen müsste. Denn ich habe eine traditionelle Kecak-Tanzperformance gesehen. Die Tänzer waren einmalig wunderschön in traditioneller balinesischer Kleidung. Alles war so farbenfroh! Nach der Vorstellung gingen wir zum Souvenireinkauf. Ich kaufte ein paar Geschenke, um sie mit nach Hause zu nehmen.

somya12

Der Tag brachte aber noch zwei weitere einmalige Aktivitäten für mich. Ich freue mich riesig zu sagen, dass ich einen nicht so einfachen Elefantenritt machen konnte, und ausserdem die Bali-Schaukel erleben durfte. Es hat ein wenig Überzeugungsarbeit gekostet, da die Leute aufgrund meiner Behinderung etwas zurückhaltend waren. Ich bin froh, dass es dennoch möglich war. Nach dem Elefantenritt im Bali-Zoo fütterte ich den Elefanten mit Gurken, Mais und Bananen, wenn ich mich richtig erinnere.

somya13
somya14

Tag 5: 26 Dezember. Der Tag der Abreise von Bali. Ich erinnere mich noch genau, ich hatte mich schon in Bali verliebt. Ich wollte daher noch das Beste aus meinem letzten halben Tag machen. Um 4.45 Uhr morgens fuhr ich mit meinem elektrischen Rollstuhl zum Strand von Sanur, um den Sonnenaufgang zu sehen. Es war noch stockdunkel, als ich das Gästehaus verliess, aber ich war entschlossen, dies zu erleben. Da mein Rollstuhl nicht sehr gut für Sand geeignet war, half mir ein Fischer, der am Strand arbeitete, einen guten Punkt für den Sonnenaufgang zu finden. Es hat sich absolut gelohnt. Seht hier mein Foto.

somya15

Zurück im Gästehaus gab es Frühstück. Oh, ich habe vergessen zu erwähnen, dass ich jeden Morgen gegen 7 Uhr balinesisches Frühstück bekam. Es war so lecker. Ich vermisse die hausgemachte Erdbeermarmelade. Das Personal im Gästehaus war auch super freundlich. Ich möchte das nächste Mal, wenn ich Bali besuche, im selben Gästehaus übernachten.

somya16

Einer der Hotelangestellten sagte mir, dass sie an diesem Morgen eine Gebetszeremonie haben würden. Ich fragte, ob ich ein Teil davon sein könnte. Die Verwalterin selber lud mich ein. Ich war so glücklich. Sie behandelten mich als Familie und erlaubten mir, ihre Kultur mit ihnen zu erleben.

somya17

Danach machte ich mich bereit für meinen Flug und Mas Agus und der Fahrer setzten mich am Flughafen ab, um meine Heimreise anzutreten. So endete meine erste Solo-Reise in Bali. Ich bin so froh, dass alles so gut funktioniert hat. Ich möchte Bali irgendwann wieder besuchen und mich in ihrer Magie verlieren.

Terimah kasih! Sampai Jumpa! 🙂


Kategorie : nachrichten